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Verlorene Wette

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Ab und an lassen wir uns auch mal zu komischen Sachen hinreißen, zu einer Wette zum Beispiel.

Nun, was soll ich sagen – leider verloren. Der Wetteinsatz bestand darin dass ich einen Kundenwunsch erfüllen muss der nichts mit Holz zu tun hat. Foodwood ohne „wood“? Hä?

Nein, ich bin kein Masochist. Aber Wettschulden sind Ehrenschulden. Im Vorfeld muss ich vielleicht erklären dass besagter Kunde immer schon Gefallen an der Kambium-Serie hatte. Die gibt es mittlerweile schon über ein Jahr, dabei fällt mir gerade eines auf: sie wurde noch nie im Blog vorgestellt. Das werden wir demnächst mal nachholen, gibt ja einige tolle „features“ die lohnen gezeigt zu werden.

Funktional gesehen hat das Teil ja einiges zu bieten… zweiseitig nutzbar (wie alle unsere Produkte) eine Seite mit abfallender Saftrinne, die andere glatt, also ohne. Insgesamt 10 cm Arbeitshöhe und eine GN-Schale mit 40mm Tiefe kann eingeschoben werden. Zudem kann durch die Füße die Neigung des Konstrukts angepasst werden; sei es um Unebenheiten auszugleichen oder den Saftablauf zusätzlich zu unterstützen. Auf einer schrägen Fläche schneidet es sich auch irgend wie angenehmer – wobei das eher subjektiv ist. Kurzum alles was man braucht, das Teil kann eigentlich alles. Jetzt mal unabhängig von der Holzkonstruktion bzw. Materialwahl – das ist ein Thema für sich und auch nicht wirklich für jeden interessant. Für die meisten ist Holz gleich Holz und nicht jeder versteht den (qualitativen) Unterschied zwischen fertigen Leimholzplatten (die auch oft noch in der Länge angestückelt werden was man dann als „keilgezinkt“ bezeichnet) und fachlich ordentlicher Arbeit. Ja, man kann auch Holzbretter bauen die nicht gleich Risse bekommen, krumm werden oder an den Enden aufgehen.

Back to topic…zumindest gibt es Leute die Kunststoff hygienischer finden. Diese Frage was nun stimmt lässt sich nicht wirklich mit ja oder nein beantworten. Fakt ist aber dass es für manche Zwecke besser ist Kunststoff zu benutzen. Einer wäre zum Beispiel wenn das Brett mehrmals täglich gespült wird. Holz nimmt dann einfach zu viel Feuchtigkeit auf und wird zum Bakterienherd. Lässt man Holz danach wieder trocknen (ca. 10% Holzfeuchte) dezimiert sich die Keimzahl. Durch tägliche Benutzung hat das Brett aber keine Zeit zum trocknen. Ein Teufelskreis…

Aber ich schweife ab. In der Tat ist das Thema eine ausführliche Reportage wert und ich muss gestehen das es mir schon lange in den Fingern juckt das Thema mal ausführlich zu erläutern. Steht also auf der Agenda.

Ein Vorteil von Kunststoff ist die Beständigkeit. Nicht der billige geschäumte Mist, sondern der für technische Anwendungen. Ja, richtig – es wurde nie ein Kunststoff für Schneidebretter entwickelt sondern nur zweckentfremdet. Normal wird dieser für Apparatebau verwendet. Gemeint ist PE (Polyethylen), selbst da gibt es nochmals Unterschiede. Wir verwenden z.B. eine sehr dichte Sorte mit der Bezeichnung PE500 HD (oder auch HMW). Dieser nimmt faktisch kein Wasser auf und kann deshalb dauerhaft unter Wasser eingesetzt werden. Was nichts anderes bedeutet als das er beliebig oft in der Spülmaschine gewaschen werden kann ohne Eigenschaften einzubüßen.

Doch so weit ist Holz und Kunststoff gar nicht auseinander, zumindest was die Verarbeitung betrifft. Der Beruf des Tischlers zählt schon lange zum „Holz und Kunststoff verarbeitenden Handwerk“, also alles im grünen Bereich. Holzleime bestehen ja auch aus Kunststoff, und Lacke, und diverse Oberflächenmaterialien wie HPL etc…

Wo waren wir? Achso, ja genau – Beständigkeit. Für besagten Kunden lag es also nahe die Vorteile von Material und Konstruktion miteinander zu verbinden. Auf die Idee war ich zwar auch schon gekommen, aber wegen dem fehlenden „wood“ fand ich das immer komisch und habe es bislang auch abgelehnt. Gut, Wette verloren (um was es dabei ging erspare ich lieber, das bewahrt mich vor weiteren Peinlichkeiten 😀 )

Die Bearbeitung des Materials war kein Problem. Was hier zusätzlich ging war eine Ausfräsung bis an die Hinterkante der Saftrinne, wodurch sich Schnittgut direkt in die Schale schieben lässt. Beim Holz-Kambium ist dafür die Seite ohne Rinne gedacht, hier geht es also beidseitig. Falls sich jetzt jemand fragen sollte warum das bei Holz nicht geht hier die absolute Kurzfassung: Beim Kambium würde man die Hirnleiste – welche dafür sorgen soll dass das Brett sich nicht verzieht – an dieser Stelle schwächen. Aus 45mm Breite würde man durch die Ausfräsung noch 20 mm machen und bekanntlich sägt man ja besser nicht den Ast ab auf dem man sitzt.

Unterm Strich war der Kunde zufrieden. Jetzt wo ich mich zwangsweise mit dem Thema „Kunststoff total“ auseinander setzen musste finde ich leichten Gefallen daran. Ich meine die Idee ist ja nicht schlecht…man hat 3 Teile die man einfach mit 2 Schrauben zusammen schraubt und kann alles relativ platzsparend in der Spülmaschine waschen. Macken fallen bei dem Material auch nicht auf wenn es mal rustikaler wird. Für mich sind Beulen auf Holz nicht schlimm, für manche Kunden von uns schon. Hängt vielleicht damit zusammen dass ich an der Quelle sitze und das ganze nicht so emotional betrachte.

Aber letztlich glaube ich dass das Teil seine Anhänger finden wird…sind ja alle Größen machbar und alle als Plattenmaterial erhältlichen Farben.

Nur mit dem Namen passt das dann nicht mehr so ganz 😉

In diesem Sinne…

 

Kambium PE zoom 1920 Kambium PE Glattseite GN ausgezogen 1920 Kambium PE Einzelteile 1920 Kambiuzm PE verstellbare Fuesse 1920 Kambium PE Mittelgewinde 1920

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